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Adipositas bei Kindern: Neuer WHO-Bericht mit Bremer Beteiligung präsentiert aktuelle Länderdaten und zeigt Trends auf

Übergewicht und Adipositas im Kindesalter gefährden die Gesundheit in der gesamten europäischen Region der Weltgesundheitsorganisation (WHO) und stehen im Zusammenhang mit vielen nichtübertragbaren Krankheiten, von Herz-Kreislauf-Erkrankungen bis hin zu Diabetes und Krebs. Heute leidet jedes dritte Kind im Schulalter in der Region an Übergewicht oder Adipositas, und in vielen Ländern steigen die Raten weiter an. Um bessere Lösungen für dieses Problem zu finden, werden qualitativ hochwertige Daten benötigt. Bremen ist als erstes Bundesland daran beteiligt.

Kinder mit Skateboard.

Wie lässt sich kindliches Übergewicht verhindern?

Das WHO-Regionalbüro für Europa legt einen neuen Bericht der Childhood Obesity Surveillance Initiative (COSI) vor. Die Ergebnisse beruhen auf den neuesten Daten, die zwischen 2018 und 2020 in 33 Ländern der europäischen Region der WHO erhoben wurden. Insgesamt wurden fast 411.000 Kinder im Alter von sechs bis neun Jahren gemessen. Zum ersten Mal enthält der Bericht Daten aus Armenien, Deutschland [Stadt Bremen] und Israel - Länder, die COSI neu beigetreten sind.


„Bremen ist das erste deutsche Bundesland, welches sich an der Erhebung beteiligt“, erklärt Prof. Dr. Wolfgang Ahrens, Abteilungsleiter Epidemiologische Methoden und Ursachenforschung und stellvertretender Direktor des Leibniz-Instituts für Präventionsforschung und Epidemiologie – BIPS. Er fügt an: „Unser vorrangiges Ziel ist es, die Weichen für einen gesunden Lebenslauf frühzeitig zu stellen. Genau dazu können die Erkenntnisse des COSI-Berichts beitragen. Wenn man sich die Daten ansieht, dann finde ich es allerdings bedenklich, dass sich bei kindlichem Übergewicht bislang noch keine Trendumkehr einstellt, obwohl es seit zwei Dekaden zahlreiche Präventionsversuche gegeben hat. Wir sollten uns jetzt darauf konzentrieren, herauszufinden, welche Maßnahmen wirklich gegen kindliches Übergewicht helfen und welche nicht.“ Die COSI-Erhebung wird in Bremen gemeinsam von der WHO, dem Land Bremen und dem BIPS durchgeführt.


Wichtigste Ergebnisse


Insgesamt lebten 29 Prozent der Kinder im Alter von sieben bis neun Jahren in den teilnehmenden Ländern mit Übergewicht (einschließlich Adipositas). Die Prävalenz war bei Jungen (31 Prozent) höher als bei Mädchen (28 Prozent).


„Die Ergebnisse des Berichts zeigen, dass immer noch eines von drei Kindern mit Übergewicht oder Fettleibigkeit lebt. Wir müssen unsere Maßnahmen beschleunigen, um diese Werte zu senken“, sagt Dr. Kremlin Wickramasinghe, u. a. Leiter des europäischen WHO-Büros für Prävention und Bekämpfung von nichtübertragbaren Krankheiten, das den Bericht erstellt hat. „Wir brauchen dringend bessere politische Maßnahmen, die uns helfen können, die derzeitigen Trends bei der Adipositas im Kindesalter umzukehren - vor allem im Zuge der COVID-19-Pandemie, die als gefährlicher Treiber für Übergewicht und Adipositas gilt“.


Bremen beim Übergewicht im europäischen Durchschnitt


Insgesamt lebten in Bremen 28 Prozent der Kinder im Alter von sieben bis neun Jahren mit Übergewicht (einschließlich Adipositas). Mit etwas unter einem Drittel liegt das Bundesland damit sehr nah am europäischen Durchschnitt. Am stärksten von Übergewicht (einschließlich Adipositas) betroffen sind die Kinder in Zypern (48 Prozent), Griechenland (44 Prozent) und Italien (41 Prozent). Besonders wenige übergewichtige Kinder (einschließlich Adipositas) leben in Tadschikistan (7 Prozent), Kirgisistan (11 Prozent) und Turkmenistan (12 Prozent).


Bremer Kinder essen relativ viel Obst und Gemüse


Besser als beim Übergewicht schneidet Bremen bei der Ernährung ab: 58 Prozent der Kinder essen täglich Obst. Das Bundesland liegt damit direkt hinter der europäischen Spitzengruppe aus Portugal (63 Prozent), Irland (61 Prozent) und Dänemark (60 Prozent). Der europäische Durchschnitt liegt bei 43 Prozent. Auch beim Anteil der Kinder, die täglich Gemüse essen, liegt Bremen mit 41 Prozent über dem europäischen Durchschnitt von 34 Prozent. Spitzenreiter sind auch hier Dänemark (57 Prozent), Portugal (57 Prozent) und Irland (45 Prozent).


Im Schuljahr 2022/23 startet die nächste COSI-Erhebung in Bremen und die Wissenschaftler:innen hoffen erneut auf die zahlreiche Teilnahme von Schüler:innen und ihren Eltern sowie die Unterstützung von Lehrer:innen.


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