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Diese Bedingungen muss eine Contact Tracing App erfüllen

Eine Contact Tracing App kann dazu beitragen, die COVID-19 Epidemie einzudämmen – als eine Komponente eines umfassenden Konzepts. Von besonderer Bedeutung sind technisch sichere Funktionsfähigkeit, Freiwilligkeit sowie Anonymität der Nutzerinnen und Nutzern. Zu diesem Schluss kommen Mitglieder des Leibniz-WissenschaftsCampus Digital Public Health Bremen (LWC DiPH) in einer gemeinsamen Stellungnahme. Darin bewerten sie detailliert den Einsatz von Apps zur Eindämmung der Covid-19-Pandemie.


„Wir befinden uns aktuell in einer besonderen Pandemie-Situation, die ein gemeinsames und schnelles Handeln verlangt. Daher müssen wir auch Technologien in Betracht ziehen, die sonst so nicht zur Anwendung kommen würden“, betont Prof. Dr. Hajo Zeeb, Sprecher des LWC DiPH und Leiter der Abteilung Prävention und Evaluation am Leibniz-Institut für Präventionsforschung und Epidemiologie – BIPS. „Dabei gilt es natürlich trotzdem, den notwendigen Datenschutz und die Datensicherheit mit dieser besonderen Situation in Einklang zu bringen.“


Aus Sicht der Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler sind folgende Aspekte bei Entwicklung und Einsatz der Contact Tracing Apps in Europa vorrangig zu beachten: Sie dürfen nicht die Einhaltung der notwendigen hygienischen Maßnahmen (Abstand, Handhygiene, Desinfektion etc.) reduzieren, sie sollen mögliche Kontaktpersonen noch in der präsymptomatischen Phase erreichen, die Nutzung muss freiwillig sein und sie müssten, um Wirkung zu zeigen, von einem großen Anteil aller Smartphone-Nutzerinnen und -Nutzern angenommen werden.


In Bezug auf vornehmlich technische Aspekte betont das LWC DiPH-Team: Es muss sichergestellt sein und belegt werden, dass eine Contact Tracing App technisch ihr Ziel (die Identifizierung von Nahkontakten) überzeugend erreichen kann, d.h. dass die Genauigkeit hoch und die Rate der falsch positiven Ergebnisse gering sind. Dabei hat ein dezentraler Open Source Ansatz aus LWC DiPH-Sicht das größte Potenzial, Datensicherheit und Datenschutz zu gewährleisten und Verbesserungen durch Weiterentwicklung der Funktionalität zu ermöglichen.


Außerdem fordern die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler: „Es muss vorab ein fester Zeitraum für die Nutzung festgelegt werden – Contact Tracing darf nur in Ausnahmefällen während einer Pandemie genutzt werden!“


Hier können sie die vollständige Stellungnahme als PDF herunterladen.


Hier können sie die Pressemitteilung als PDF herunterladen.


Leibniz-WissenschaftsCampus Digital Public Health Bremen


Im LWC DiPH Bremen arbeiten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus den Gesundheitswissenschaften, der Informatik, der Statistik, den Rechtswissenschaften, den Kommunikationswissenschaften, der Ethnologie und der Philosophie zusammen. Nachwuchswissenschaftlerinnen und -wissenschaftler werden in der Early Career Researcher Academy gezielt gefördert. Gemeinsam adressieren sie interdisziplinäre Fragen der digitalen Technologieentwicklung und –bewertung in Public Health. Beteiligt sind die Universität Bremen, das MEVIS Fraunhofer Institut für digitale Medizin und das Leibniz-Institut für Präventionsforschung und Epidemiologie – BIPS. Weitere Informationen unter www. lsc-digital-public-health.de


Das BIPS – Gesundheitsforschung im Dienste des Menschen


Die Bevölkerung steht im Zentrum unserer Forschung. Als epidemiologisches Forschungsinstitut sehen wir unsere Aufgabe darin, Ursachen für Gesundheitsstörungen zu erkennen und neue Konzepte zur Vorbeugung von Krankheiten zu entwickeln. Unsere Forschung liefert Grundlagen für gesellschaftliche Entscheidungen. Sie informiert die Bevölkerung über Gesundheitsrisiken und trägt zu einer gesunden Lebensumwelt bei.


Das BIPS ist Mitglied der Leibniz-Gemeinschaft, zu der 96 selbstständige Forschungseinrichtungen gehören. Die Ausrichtung der Leibniz-Institute reicht von den Natur-, Ingenieur- und Umweltwissenschaften über die Wirtschafts-, Raum- und Sozialwissenschaften bis zu den Geisteswissenschaften. Leibniz-Institute widmen sich gesellschaftlich, ökonomisch und ökologisch relevanten Fragen. Aufgrund ihrer gesamtstaatlichen Bedeutung fördern Bund und Länder die Institute der Leibniz-Gemeinschaft gemeinsam. Die Leibniz-Institute beschäftigen rund 20.000 Personen, darunter 10.000 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler. Der Gesamtetat der Institute liegt bei mehr als 1,9 Milliarden Euro.