Utilisation, Effektivität und Sicherheit von direkten oralen Antikoagulantien (DOAK)

Antikoagulation bedeutet Gerinnungshemmung und wird umgangssprachlich auch oft mit Blutverdünnung übersetzt. Diese therapeutische oder prophylaktische Maßnahme ist notwendig, wenn bei einem Patienten eine Neigung zur Bildung von Blutgerinnseln (Thromben) vorliegt. Als Standard für die orale Antikoagulation galt lange Zeit die Behandlung mit einem Vitamin-K-Antagonisten. In Deutschland wird aus dieser Wirkstoffgruppe fast ausschließlich Phenprocoumon (PPC, z.B. Marcumar®) verwendet. Seit 2008 sind zusätzlich mit den direkten oralen Antikoagulantien (DOAK) Arzneistoffe zugelassen, die direkt gegen bestimmte Gerinnungsfaktoren wirken. Da diese Wirkstoffe erst seit einigen Jahren auf dem Markt sind, wird alternativ auch der Begriff neue orale Antikoagulantien (NOAK) verwendet. Mehrere Indikationserweiterungen der in Deutschland erhältlichen Vertreter Apixaban, Dabigatran und Rivaroxaban haben zu einer deutlichen Zunahme der Anwendung geführt.

Aufgrund ihrer gerinnungshemmenden Eigenschaften sind DOAK wie auch andere Antikoagulantien mit einem erhöhten Blutungsrisiko assoziiert. Weitere mögliche Nebenwirkungen sind aufgrund der bisher begrenzten Fallzahl in den klinischen Zulassungsstudien nicht beurteilbar. Ebenso ist bisher unklar, inwieweit sich die Ergebnisse dieser Studien auf die alltägliche Versorgungssituation in Deutschland, bei Langzeitgabe und auf Patienten mit Komorbiditäten übertragen lassen. Ziel dieses Arbeitsschwerpunktes ist es daher, die Nutzer von DOAK und der entsprechenden Vergleichstherapie (PPC oder Thrombozytenaggregationshemmer) zu charakterisieren sowie die Häufigkeit des Auftretens schwerer unerwünschter Arzneimittelwirkungen zwischen den Medikamentengruppen zu vergleichen. Um eine Nutzen-Risiko-Abschätzung zu ermöglichen, werden zusätzlich Endpunkte betrachtet, die mit der Wirksamkeit der Behandlung in Zusammenhang stehen.

Zugehörige Projekte

  • Der Einfluss von Arzneimittelinteraktionen auf die Häufigkeit schwerer Blutungsereignisse unter Phenprocoumon
  • Epidemiologische Studie zum Einsatz des neuen Antikoagulans Rivaroxaban nach Markteinführung in Deutschland
  • PASS-Studie zum Blutungsrisiko unter Behandlung mit Rivaroxaban

 

Ausgewählte Publikationen

  • Jobski K, Enders D, Amann U, Suzart K, Wallander M-A, Schink T, Garbe E. Use of rivaroxaban in Germany: A database drug utilization study of a drug started in hospital. European Journal of Clinical Pharmacology. 2014;70(8):975-981. dx.doi.org/10.1007/s00228-014-1697-7.
  • Jobski K, Behr S, Garbe E. Drug interactions with phenprocoumon and the risk of serious haemorrhage: A nested case-control study in a large population-based German database. European Journal of Clinical Pharmacology. 2011;67(9):941-951. dx.doi.org/10.1007/s00228-011-1031-6.

 

Ausgewählte Kongressbeiträge

  • Fassmer A, Jobski K, Haug U, Schink T. Rivaroxaban vs. phenprocoumon use in Germany and risk of bleeding: A claims data analysis based on 80,000 patients. Congress "Health - Exploring Complexity: An Interdisciplinary Systems Approach (HEC2016)." Joint Annual Meeting of the German Society for Medical Informatics, Biometry and Epidemiology (GMDS), the German Society for Epidemiology (DGEpi), the International Epidemiological Association - European Region (IEA-EEF) and the European Federation for Medical Informatics Association (EFMI), 28 August-2 September 2016, Munich.