Neuer UN-Bericht zu den Auswirkungen radioaktiver Strahlung erschienen

UNSCEAR 2017 Report: Hajo Zeeb war als Berater haupt- und mitverantwortlich für beide wissenschaftlichen Vertiefungskapitel


Im Jahr 1955 beschloss die Generalversammlung der Vereinten Nationen die Gründung eines wissenschaftlichen Ausschusses zur Untersuchung der Auswirkungen von atomarer Strahlung (United Nations Scientific Committee on the Effects of Atomic Radiation, UNSCEAR). Heute entsenden 27 Staaten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler in das Komitee, die Bundesrepublik Deutschland seit 1973.

Aufgabe des UNSCEAR ist es, regelmäßig sämtliche relevanten Informationen und Studien über natürliche und künstliche Quellen radioaktiver Strahlung und deren Auswirkungen auf Gesundheit und Umwelt wissenschaftlich zu prüfen und einzuschätzen. Die Schriften des Komitees sind eine wichtige Grundlage etwa für nationale und internationale Strahlenschutzverordnungen.

Seine Erkenntnisse fasst das UNSCEAR regelmäßig in einem Bericht zusammen und legt diesen der UN-Generalversammlung und der Weltöffentlichkeit vor. Am jetzt veröffentlichten Bericht 2017 war Hajo Zeeb als Hauptautor für den Teil A zur Qualitätssicherung der Arbeit des Komitees bei der Beurteilung strahlenepidemiologischer Studien und Co-Autor für Teil B zum Krebsrisiko im Zusammenhang mit niedrigen Strahlendosen in der Umwelt  maßgeblich beteiligt.

Nicht nur Fukushima

In den vergangenen Jahren standen bei der Arbeit des UNSCEAR vor allem die Folgen eines Ereignisses im Fokus: Im März 2011 erschütterte ein pazifisches Seebeben den nordöstlichen Teil der japanischen Hauptinsel Honshū. Die Folge waren ein verheerender Tsunami und fast 20.000 Opfer. Schließlich kam es zu einer Reihe von Störfällen in einem Kernkraftwerk und letztlich zur Nuklearkatastrophe von Fukushima.

Doch Katastrophen wie 2011 in Fukushima oder im Jahr 1986 in Tschernobyl stellen nur einen kleinen Teil der im UNSCEAR bearbeiteten Themen dar. So befasst sich das Komitee neben der Strahlenbelastung bei medizinischen Untersuchungen etwa auch mit natürlichen Quellen radioaktiver Strahlung. Dazu gehört  Radon, das als Zerfallsprodukt von Uran und Thorium in bestimmten Gesteinen entsteht, als Gas aus den Böden in die Atmosphäre diffundiert und nach weiterem Zerfall in der Atemluft zu einem höheren Lungenkrebsrisiko bei hoch exponierten Bergleuten, aber auch  in der Normalbevölkerung führen kann.

Im aktuellen UNSCEAR-Bericht 2017 stehen gesundheitliche Folgen von niedrigen Strahlendosen in der Umwelt im Fokus, die besonders für die Einschätzung der Folgen etwa von Fukushima bedeutsam sind. In Regionen mit erhöhter natürlicher Hintergrundstrahlung – wie etwa im indischen Bundesstaat Kerala – konnten Studien bisher zwar nur wenige Hinweise auf erhöhte Krebsrisiken in der Bevölkerung aufzeigen, UNSCEAR zufolge beinhalten diese Untersuchungen aber einige Unsicherheiten, die eine vorsichtige Bewertung der Ergebnisse nahelegen. Andere Studien fallen dagegen deutlicher aus: So weisen etwa Ergebnisse von Langzeitstudien bei Anwohnern der russischen Mayak-Plutoniumfabrik auf erhöhte Risiken für bestimmte Krebsarten einschließlich Leukämie hin.

Besonders der mit Hajo Zeeb als Hauptautor verfasste Teil A des aktuellen Berichtes legt nun auch eine wichtige methodische Basis für die zukünftige Arbeit des UN-Komitees. Denn dadurch liegen nun  klare Kriterien und Vorgehensweise für die Bewertung von epidemiologischen Studien für diesen und die kommenden UNSCEAR-Berichte vor, die sich eng an aktuellen wissenschaftlichen Empfehlungen aus dem Bereich der evidenzbasierten Medizin und Public Health orientieren.

Aktuell nimmt Hajo Zeeb als Mitglied der deutschen Delegation an der 65. Sitzung von UNSCEAR in Wien teil.

 

Den vollständigen UNSCEAR 2017 Report mit den beiden Vertiefungskapitel Annex A und B finden Sie hier.