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Die 1-Millionen-Kinder-Studie zur pränatalen und kindlichen Immunisierung und zum Risiko von Kinderkrebserkrankungen (CHIC)

Beschreibung

Jährlich treten in Deutschland rund 1800 Krebsneuerkrankungen bei Kindern und Jugendlichen im Alter unter 15 Jahren auf. Die häufigsten Krebserkrankungen im Kindesalter sind Leukämien, Tumore des zentralen Nervensystems und Lymphome. Bösartige Hirntumore und Leukämien zählen zu den zehn häufigsten Todesursachen bei unter 15-Jährigen. Die Folgen von Kinderkrebserkrankungen führen unmittelbar zu einer niedrigeren Lebensqualität und in späteren Lebensjahren gehen die Langzeitfolgen der Therapien häufig mit weiteren lebenslangen Einschränkungen (z. B. Sterilität) einher. Weniger als 10% der Fälle der häufigsten Kinderkrebserkrankungen lassen sich auf spezifische genetische Syndrome zurückführen. Für den größten Teil der Fälle sind die Risikofaktoren allerdings noch unklar. Generell sind für Leukämien, die häufigste Kinderkrebserkrankung, als krebsfördernde Umweltfaktoren nur ionisierende Strahlung und bestimmte chemische Stoffe etabliert. Da betroffene Kinder den einzelnen Risikofaktoren in der Regel vor ihrer Erkrankung nicht lange genug ausgesetzt waren, wird das Zusammenspiel mehrerer und auch pränataler Faktoren für die Entstehung von Krebserkrankungen im Kindesalter verantwortlich gemacht. Außerdem werden einige protektiv wirkende Faktoren diskutiert. So wird vermutet, dass natürliche Geburten, langes Stillen, die Abwesenheit von Autoimmunerkrankungen, frühe Kindergartenbesuche und überwundene Infektionen sowie häufiges Impfen über immunologische Pfade vor der Entstehung von Kinderkrebserkrankungen schützen können. Allerdings sind die Ergebnisse der bisher durchgeführten Beobachtungsstudien über den Zusammenhang von Immunisierungen durch Impfungen und die Entstehung von Kinderkrebserkrankungen noch widersprüchlich.

Im CHIC Projekt (The million children study on prenatal and childhood immunization and the risk of childhood cancer; Studienleitung: Manuela Marron) werden zunächst in einem systematischen Literaturreview alle bisherigen Studien über dieses Thema identifiziert und die Ergebnisse erstmalig in einer Metaanalyse quantitativ zusammengefasst. Auf der Basis von Krankenkassendaten der German Pharmacoepidemiological Research Database (20 Mio. Versicherte) werden danach in einer Kohorte von Neugeborenen mögliche Zusammenhänge zwischen Impfungen und dem Auftreten von Kinderkrebserkrankungen deutschlandweit untersucht. Dabei werden nicht nur Impfungen der Kinder selbst sondern auch Impfungen der Mutter während der Schwangerschaft mittels Bildung von Mutter-Kind-Paaren berücksichtigt. Die in dieser Größe einmalige Geburtskohorte wird über 1 Mio. Kinder (17% aller deutschen Geburten) umfassen und die Beobachtung von etwa 1300 Kinderkrebsfällen bis zum Alter von 14 Jahren erlauben. Die Größe der Geburtskohorte ermöglicht detaillierte statistische Analysen zu verschiedenen potentiellen Einflussfaktoren von Kinderkrebserkrankungen unter Berücksichtigung von zahlreichen Störfaktoren (Alter, Geschlecht, soziale Position, Impfungen, Erbkrankheiten, Atopien, Autoimmunerkrankungen, Infektionen, Medikamente, medizinische Untersuchungen und Therapien). Die Nutzung von Routinedaten erlaubt eine historische und individuelle Erfassung dieser Risikofaktoren ohne potentielle Falschangaben der Studienteilnehmer und die Beschreibung dieser Faktoren hinsichtlich Prävalenz und Inzidenz. In Deutschland besteht im Gegensatz zu anderen Ländern weder eine Impfpflicht noch eine systematische Erfassung der verabreichten Impfungen. Im Rahmen dieses Projektes werden die Impfprävalenzen deshalb innerhalb dieser deutschen Geburtskohorte ermittelt. Des Weiteren wird die Kinderkrebsinzidenz bestimmt und mit den vorliegenden Inzidenzen des Deutschen Kinderkrebsregisters verglichen. Anschließend wird der Zusammenhang zwischen Impfungen und dem Kinderkrebsrisiko über die bisherige Lebensspanne betrachtet. Die detaillierten primären und sekundären Hypothesen zu diesen Analysen werden aus den Ergebnissen der vorangestellten Metaanalyse abgeleitet.

Das übergeordnete Ziel dieses Vorhabens ist es, zur Klärung immunologischer Einflussfaktoren von unterschiedlichen Kinderkrebserkrankungen beizutragen. Langfristig ergibt sich aus diesem innovativen Studienansatz die vielversprechende Forschungsperspektive weitere potentielle Einflüsse auf Kinderkrebserkrankungen durch die Nutzung von medizinischen Abrechnungsdaten zu untersuchen.

Förderzeitraum

Beginn:   Juli 2016
Ende:   Juni 2017

Förderer

  • Eigenmittel des BIPS

Kontaktperson

Dr. phil. Manuela Marron