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Studie zur Analyse der regionalen Unterschiede bei der Antibiotika- Verordnung (SARA)

Beschreibung

Antibiotika sind für die Behandlung einer Vielzahl bakterieller Infektionen unersetzlich und gehören zu den am häufigsten verordneten Arzneimitteln in Deutschland. Dabei erfolgt die überwiegende Mehrheit der Verordnungen im ambulanten Bereich. Der Antibiotika-Verbrauch in Deutschland ist insgesamt zwar nicht so hoch wie in anderen europäischen Ländern, doch zeigen sich für einzelne Antibiotikagruppen vergleichsweise hohe Verordnungsraten. Innerhalb Deutschlands zeigen sich deutliche Unterschiede bei der Verordnung hinsichtlich der regionalen Verteilung und zwischen den Altersgruppen. So sind in Schleswig-Holstein, den ostdeutschen Bundesländern sowie in Berlin und Bayern die Verordnungszahlen insgesamt niedriger, als zum Beispiel in Rheinland-Pfalz oder im Saarland. Dabei variieren die regionalen Verordnungsmuster je nach Altersgruppe. Bei den unter 15-Jährigen beispielsweise sind die Verordnungsprävalenzen im Osten zum Teil höher als im Westen.

Die Zunahme und Ausbreitung resistenter Erreger gefährdet die Wirksamkeit der Antibiotika und damit die medizinische Versorgung der Bevölkerung. Die Bundesregierung hat 2008 verschiedene Maßnahmen ins Leben gerufen, darunter die vom BMG gemeinsam mit den Bundesministerien für Ernährung und Landwirtschaft sowie Bildung und Forschung erarbeitete Deutsche Antibiotika-Resistenzstrategie „DART 2020“, die im Mai 2015 vom Bundeskabinett verabschiedet wurde. Die Problematik der Resistenzbildung ist auch Thema des Pharmadialogs, bei dem Vertreterinnen und Vertreter der Arzneimittelhersteller, der Wissenschaft und der Gewerkschaft IG BCE ressortübergreifend an der Entwicklung von Verabredungen zur Stärkung des Forschungs- und Produktionsstandorts Deutschland mitwirken. Hinsichtlich der Antibiotika verabredeten die Dialog-Partner unter anderem die Stärkung der Versorgungsforschung im Bereich der Antibiotika durch eine vom BMG beauftragte Studie zur Untersuchung der Hintergründe und Ursachen der Unterschiede in den Antibiotika-Verordnungen zwischen den Regionen und zwischen den verschiedenen Altersgruppen. Zudem sollen mögliche Änderungen über die Zeit durch den Vergleich der Ergebnisse mit bereits publizierten Ergebnissen anderer Studien, die basierend auf Daten bis einschließlich 2014 durchgeführt wurden, untersucht werden.

Ziel dieser Studie ist im ersten Schritt die Beschreibung der regionalen Unterschiede und der Unterschiede zwischen den Altersgruppen in den Antibiotika-Verordnungen in Deutschland auf Basis aktueller Daten ab 2015, die deskriptive Analyse der Zeitverläufe der Antibiotika-Verordnungen, sowie der Vergleich der Ergebnisse mit bereits publizierten Erkenntnissen für den Zeitraum 2008–2014. Dazu werden Daten der pharmakoepidemiologischen Forschungsdatenbank (GePaRD) verwendet.

In einem zweiten Schritt sollen die zugrundeliegenden Ursachen für die identifizierten Unterschiede in der Verordnungsprävalenz von Antibiotika evaluiert werden. Dies geschieht in zwei Teilstudien. Auf Basis der Daten von GePaRD werden potentielle Erklärungsfaktoren mittels multivariabler Regressionen ermittelt (Teilstudie 1). Ergänzend dazu wird eine qualitative Studie zur Erfassung und Klassifikation subjektiver Einflussgrößen auf individuelles Verschreibungsverhalten durchgeführt (Teilstudie 2).

Die Ergebnisse dieser Studie sollen die Grundlage für die Entwicklung von Maßnahmen zur Förderung des sachgerechten Einsatzes von Antibiotika bilden.

Förderzeitraum

Beginn:   April 2019
Ende:   März 2022

Förderer

  • Bundesministerium für Gesundheit (BMG)

Kontaktperson

 Oliver Scholle