Entwicklung der Verordnungen von Fluorchinolonen in Deutschland

Beschreibung

Fluorchinolone sind eine Gruppe von Breitspektrum-Antibiotika, die zur Behandlung schwerer bakterieller Infektionen eingesetzt werden, insbesondere wenn andere Antibiotika nicht wirksam sind. Ihr Einsatz ist jedoch mit Risiken schwerwiegender unerwünschter Arzneimittelwirkungen verbunden, darunter Sehnenentzündungen und -risse, Nervenschäden sowie kardiovaskuläre Ereignisse. Darüber hinaus kann ein unsachgemäßer Einsatz von Antibiotika zur Entwicklung von Resistenzen beitragen.

In der Europäischen Union haben diese Risiken zu verstärkten regulatorischen Maßnahmen geführt. Auf Initiative des Bundesinstituts für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) wurde im Jahr 2017 ein Bewertungsverfahren der Europäischen Arzneimittelagentur (EMA) eingeleitet, um den Einsatz von Fluorchinolonen neu zu bewerten. Der Ausschuss für Risikobewertung im Bereich der Pharmakovigilanz (PRAC) kam 2018 zu dem Schluss, dass bei bestimmten Indikationen die Risiken von Fluorchinolonen den Nutzen übersteigen. In der Folge wurden die Anwendungsgebiete dieser Antibiotika deutlich eingeschränkt.

In Deutschland wurden Maßnahmen zur Risikominimierung unter anderem durch einen Rote-Hand-Brief im April 2019 umgesetzt, der über die Risiken von Fluorchinolonen informiert und Indikationen nennt, bei denen diese Antibiotika nicht verschrieben werden sollen. Im Juni 2023 folgte ein weiterer Rote-Hand-Brief, der diese Hinweise erneut hervorhob.

Bislang ist nicht untersucht worden, ob der Rote-Hand-Brief im Jahr 2023 zu Veränderungen im Verschreibungsverhalten geführt hat. Zudem gibt es noch keine umfassende Analyse dazu, bei welchen konkreten Erkrankungen Fluorchinolone tatsächlich verordnet werden. Auch Unterschiede zwischen ärztlichen Fachgruppen oder zwischen verschiedenen Regionen wurden bisher nicht systematisch untersucht.

Ziel dieses Projekts ist daher eine umfassende Beschreibung der zeitlichen Entwicklung der Verordnungen von Fluorchinolonen in Deutschland zwischen 2010 und 2024 auf Grundlage von Daten gesetzlicher Krankenkassen. Dabei soll unter anderem untersucht werden, für welche Indikationen Fluorchinolone verschrieben werden und ob sich das Verordnungsverhalten zwischen verschiedenen ärztlichen Fachgruppen oder Regionen unterscheidet.

Das Projekt wird vom BfArM im Rahmen einer Ausschreibung zur Pharmakovigilanzforschung gefördert.

Förderzeitraum

Beginn:   Januar 2025
Ende:   Dezember 2026

Förderer

  • Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM)

Kontaktperson

Dr. rer. nat. Oliver Scholle