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Herz ART Bremen (Herz: AMI und Regionales TQM in Bremen) - Modellprojekt zur Qualitätssicherung der notfallmedizinischen Versorgung des akuten Myokardinfarktes in Bremen

Beschreibung

Der akute Myokardinfarkt (AMI) ist als Teil des akuten Koronarsyndroms (ACS) eine der häufigsten Todesursachen in der Bundesrepublik Deutschland und in den westlichen Industrieländern. Das größte Potential zur Verringerung der Sterblichkeit liegt in einer frühen Therapie. Hierfür müssen alle beteiligten Versorgungseinheiten während der Akutsituation ihre Kompetenzen im Sinne eines notfallmedizinischen Netzwerkes zusammenführen.
Für die Stadt Bremen wurde 2005 die Qualität der Versorgung von Patienten mit ACS für alle an der Versorgung beteiligten Institutionen (Rettungsdienst, Kliniken, Herzkatheterlabor) mittels standardisierter Dokumentationsbögen in einem halbjährigen Untersuchungszeitraum gemessen.
199 Patientinnen und Patienten mit einem ST-Streckenhebungsinfarkt (STEMI) und 495 Patientinnen und Patienten mit einem Nicht-ST-Streckenhebungsinfarkt (NSTEMI) wurden in die Studie eingeschlossen. 15,8% der STEMI und 32,7% der Patienten ohne ST-Hebung waren älter als 80 Jahre. Die Sterblichkeit an AMI innerhalb der ersten 28 Tage nach dem Ereignis war bei Frauen leicht erhöht (20,3% vs. 16,3%). Ebenso war das Sterberisiko innerhalb der ersten 28 Tage bei den STEMI-Patienten höher als bei den Nicht-STEMI-Patienten (19,6% vs. 17,4%). Patienten über 80 Jahre hatten im Vergleich zu jüngeren Patienten ein etwa doppelt so hohes Sterberisiko (32% vs. 16,3%).
Unsere Analysen zeigten darüber hinaus, dass invasive Eingriffe sowohl bei der Diagnostik (31% vs. 73%), als auch bei der Therapie (PTCA, 13,7% vs. 45,5%) bei älteren Patienten signifikant seltener vorgenommen wurden. Dieses Ergebnis ist von Bedeutung, da ältere Patienten mit PTCA eine geringere Sterblichkeit aufwiesen als Patienten ohne koronare Angioplastie (9,5% vs. 35,6%).
Auch die 1-Jahressterblichkeit war bei den Frauen höher als bei den Männern: Frauen ohne ST-Hebungsinfarkt zeigten nach einem Jahr eine Sterblichkeit von 35,6% vs. 27% bei den Männern. Auch unter den STEMI-Patientinnen lag die Sterblichkeit höher als bei den männlichen Patienten, auch wenn der Unterschied geringer ausfiel als bei den Patienten/innen ohne ST-Hebungsinfarkt (27,8% vs. 23,3%). Ein weiterer Einflussfaktor war das Alter der Patienten zum Zeitpunkt der Diagnose: Patienten über 75 Jahre zeigten eine höhere Letalität. welche nur in geringem Maße vom Infarkttyp beeinflusst wurde.
Eindeutige kardiovaskuläre Faktoren, welche die Sterblichkeit innerhalb der ersten 28 Tage beeinflussten, konnten in unseren Analysen nicht identifiziert werden. Ein prognostisch ungünstiger Einfluss scheint jedoch von einer Niereninsuffizienz auszugehen.

Unsere Ergebnisse zeigen, dass eine frühzeitige interventionelle Therapie v. a. auch bei älteren Patienten die Sterblichkeit nach Herzinfarkt reduzieren kann. Besonderes Augenmerk ist auf die Versorgung von Frauen mit AMI zu richten, da diese insgesamt eine schlechtere Prognose aufweisen als Männer.
Die Studie wurde in Kooperation mit dem Ärztlichen Leiter Rettungsdienst der Stadtgemeinde Bremen durchgeführt.

Förderzeitraum

Beginn:   Oktober 2004
Ende:   Oktober 2007

Förderer

  • Eigenmittel des BIPS
  • Senator für Arbeit, Frauen, Gesundheit, Jugend und Soziales der Freien Hansestadt Bremen
  • Universität Bremen (Graduiertenstipendium)

Kontaktperson

PD Dr. med. Thomas Behrens

Kooperationspartner

  • Prof. Dr. med Michael Mohr (DIAKO Ev, Diakonie-Krankenhaus, Anästhesiologie, OP-, Intensivmedizin und Notfallmedizin)
  • Dr. med Johannes Schimansky (Rettungsdienst Bremen, Ärztlicher Leiter)
  • Joachim Ulma (DIAKO Ev, Diakonie-Krankenhaus, Anästhesiologie, OP-, Intensivmedizin und Notfallmedizin)

Ausgewählte Veröffentlichungen zum Projekt

    Vorträge bei wissenschaftlichen Tagungen (eingeladen)

  • Günther K, Ulma J. Akutes Koronarsyndrom, Versorgungskonzepte in der Stadtgemeinde Bremen mit einem Katheterzentrum. 6. Notfallsymposium (NOSTRA), 19.-21. April 2007, Travemünde.
  • Vorträge bei wissenschaftlichen Tagungen

  • Günther K, Behrens T, Schimansky J, Ulma J, Ahrens W. Versorgung der über 80-jährigen Patienten mit akutem Myokardinfarkt in Bremen - Ergebnisse der Herz ART Bremen Studie (Herz: AMI und Regionales TQM in Bremen). Kongress "Medizin und Gesellschaft. Prävention und Versorgung innovativ-qualitätsgesichert-sozial". Gemeinsame Jahrestagung der DGEpi, DGSMP, GMDS, DGMS, MDK Bayern, bayer. Landesgesundheitsamt, 17.-21. September 2007, Augsburg.
  • Günther K, Behrens T, Schimansky J, Ulma J, Ahrens W. Herz ART Bremen (Herz: AMI und Regionales TQM in Bremen) - Studie zur Qualitätssicherung der notfallmedizinischen Versorgung des akuten Myokardinfarkts in Bremen. 1. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Epidemiologie (DGEpi), 21.-23. September 2006, Greifswald.
  • Günther K. Herz ART Bremen (Herz: AMI und Regionales TQM in Bremen) - Design eines Modellprojekts zur Qualitätssicherung der notfallmedizinischen Versorgung des akuten Myokardinfarktes in Bremen. Workshop der Arbeitsgruppe Herz-Kreislauf-Epidemiologie der DAE, DGSMP und GMDS, 2. Juni 2005, Essen.
  • Sonstige Vorträge

  • Günther K. Epidemiologische Analyse der Akutversorgung der Patienten und Patientinnen mit NSTEMI und STEMI. Doktorandenkolleg "Chancen und Risiken im Gesundheitssystem: Evidence-Based Medicine, Health Technology Assessment und gesundheitsrechtliche Regulierung". 31. Mai 2006, Bremen.
  • Günther K. Evaluation der Versorgung des akuten Myokardinfarktes in Bremen. Doktorandenkolleg "Chancen und Risiken im Gesundheitssystem: Evidence-Based Medicine, Health Technology Assessment und gesundheitsrechtliche Regulierung". 9. November 2005, Bremen.