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Pilotstudie zur populationsbasierten Langzeit-Kohortenuntersuchung von Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätstörung (ADHS) bei Kindern in Deutschland

Beschreibung

Das Deutsche Populations-Basierte Langzeit-Follow-up für ADHS
(GePoLo: The German Population Based Long Term Follow-Up of ADHD)

Das zentrale Ziel dieser Studie ist es, den Krankheitsverlauf der Aufmerksamkeitsdefizit/Hyperaktivitätsstörung (ADHS) beginnend im Kindesalter bis zum Erwachsenenalter zu untersuchen. Dabei sollen Therapie, Begleiterkrankungen und weitere gesundheitliche Aspekte, die mit ADHS assoziiert sind, berücksichtigt werden. Integraler Bestandteil dieser Studie ist ein Langzeit-Follow-up von Kindern mit und ohne ADHS, das wir auf Basis von pseudonymisierten Krankenkassendaten durchführen.

Die Studie begann mit einer Pilotphase, die vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) gefördert wurde. Neben anderen Zielen sollte mit dieser Studie die Eignung von Krankenkassendaten für ein derartiges Langzeit-Follow-up gezeigt werden, und es sollten Methoden und Instrumente entwickelt werden, die eine Untersuchung weiterer Details der ADHS-Erkrankung mit Sekundärdaten ermöglichen.

Die Pilotstudie bestand aus drei Teilen:
I) Basierend auf Krankenkassendaten haben wir eine Pilotkohorte von Kindern und Jugendlichen mit und ohne ADHS bis zu 5 Jahre nach der Diagnose verfolgt. In der Studie wurden die Krankheitslast, die Häufigkeit von Verletzungen, die Inanspruchnahme medizinischer Versorgung und die ADHS-Therapie analysiert. Verschiedenste Einflussfaktoren wie Geschlecht, Wohnregion, Alter oder Sozialstatus der Eltern wurden in die Analysen einbezogen.
II) Im zweiten Teil wurde untersucht, wie die medikamentöse Behandlung von Kindern mit ADHS das Verletzungsrisiko beeinflusst. Dazu wurden Verletzungen, die zu einem Krankenhausaufenthalt führten, analysiert. Für diese Analyse wurde ein Case-only-Design basierend auf Krankenkassendaten verwendet.
III) Im dritten Teil wurde die Möglichkeit geprüft, aus den pseudonymisierten Krankenkassendaten Versicherte mit und ohne ADHS zu selektieren und diese dann durch die Zusendung eines Briefes von ihrer Krankenkasse für die Studie zu rekrutieren. ein weiteres Ziel der Studie war die methodische Prüfung verschiedener Erhebungsinstrumente für eine Feldstudie. Dieser Studienteil umfasste eine deutschlandweite und zwei regional auf Mannheim und Bremen beschränkte, jeweils auf Basis der Sekundärdaten der Krankenkassen identifizierte, Stichproben.

Diese Studie ergab wichtige Informationen zu Häufigkeit, Therapie und Prädiktoren des Krankheitsverlaufs und der medikamentösen Behandlung von ADHS in Deutschland. Weiterhin wurden Erkenntnisse zum Einfluss der medikamentösen Therapie auf das Verletzungsrisiko von Kindern mit ADHS erlangt. Die Studienziele wurden somit erreicht. Die Auswertung von Sekundärdaten der Krankenkassen hat sich als eine vielversprechende Möglichkeit für weitere Studien zu ADHS erwiesen. Die Rekrutierung von Kindern mit ADHS für eine Feldstudie über die Krankenkassen zeigte sich dagegen als wenig erfolgreich. Neben erheblichen administrativen Hürden, die zu bewältigen waren, ergab sich nur eine geringe Teilnahmebereitschaft.

Die Pilot-Datenbankstudie ermöglichte ein Follow-up von bis zu 5 Jahren, was einen längeren Zeitraum umfasste als ursprünglich für diese Studie geplant worden war. Dennoch reicht die Länge dieses Follow-up nicht aus, um den Krankheitsverlauf von ADHS bis in das Erwachsenenalter zu untersuchen. Daher wurde eine eigenfinanzierte Weiterführung dieser Studie bis 2016, die dann Sekundärdaten von 2004 bis 2015 berücksichtigen kann, geplant und von den kooperierenden Kassen und den zuständigen Behörden bereits genehmigt. Dadurch kann das Follow-up um sechs Jahre erweitert werden.

Förderzeitraum

Beginn:   Januar 2009
Ende:   Dezember 2017

Förderer

  • Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF)

Kontaktperson

Dr. rer. nat. Ingo Langner

Kooperationspartner

  • AOK Bremen/Bremerhaven
  • Deutsche Angestellten-Krankenkasse (DAK)
  • Handelskrankenkasse (HKK)
  • Techniker Krankenkasse (TK)
  • Prof. Dr. Dr. Tobias Banaschewski (Zentralinstitut für Seelische Gesundheit, Mannheim)
  • Prof. Dr. Ulrike Petermann (Zentrum für Klinische Psychologie und Rehabilitation, Universität Bremen)
  • Prof. Dr. Franz Petermann (Zentrum für Klinische Psychologie und Rehabilitation, Universität Bremen)
  • Prof. Dr. Marcella Rietschel (Zentralinstitut für Seelische Gesundheit, Mannheim)

Link

Webseite der Pilotstudie zur Deutschen Populationsbasierten Langzeitstudie zu ADHS

Ausgewählte Veröffentlichungen zum Projekt

    Zeitschriftenartikel mit peer-review

  • Mikolajczyk R, Horn J, Schmedt N, Langner I, Lindemann C, Garbe E. Injury prevention by medication among children with attention-deficit/hyperactivity disorder: A case-only study. JAMA Pediatrics. 2015;169(4):391-395.
    http://dx.doi.org/10.1001/jamapediatrics.2014.3275
  • Kraut A, Langner I, Lindemann C, Banaschewski T, Petermann U, Petermann F, Mikolajczyk R, Garbe E. Comorbidities in ADHD children treated with methylphenidate: A database study. BMC Psychiatry. 2013;13:11.
    http://dx.doi.org/10.1186/1471-244X-13-11
  • Langner I, Garbe E, Banaschewski T, Mikolajczyk R. Twin and sibling studies using health insurance data: The example of attention deficit/hyperactivity disorder (ADHD). PLOS ONE. 2013;8(4):e62177.
    http://dx.doi.org/10.1371/journal.pone.0062177
  • Garbe E, Mikolajczyk R, Banaschewski T, Petermann U, Petermann F, Kraut A, Langner I. Drug treatment patterns of attention deficit/hyperactivity disorder in children and adolescents in Germany: Results from a large population-based cohort study. Journal of Child and Adolescent Psychopharmacology. 2012;22(6):452-458.
    http://dx.doi.org/10.1089/cap.2012.0022
  • Lindemann C, Langner I, Kraut A, Banaschewski T, Schad-Hansjosten T, Petermann U, Petermann F, Schreyer-Mehlhop I, Garbe E, Mikolajczyk R. Age-specific prevalence, incidence of new diagnoses and drug treatment of attention-deficit / hyperactivity disorder in Germany. Journal of Child and Adolescent Psychopharmacology. 2012;22(4):307-314.
    http://dx.doi.org/10.1089/cap.2011.0064
  • Vorträge bei wissenschaftlichen Tagungen

  • Langner I, Lindemann C, Kraut A, Garbe E, Mikolajczyk R. Regionale Heterogenität der Prävalenz von Aufmerksamkeitsdefizit/Hyperaktivitätsstörung (ADHS)-Diagnosen bei Kindern und Jugendlichen in Deutschland. 57. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Medizinische Informatik, Biometrie und Epidemiologie (GMDS), 16.-21. September 2012, Braunschweig.
  • Langner I, Lindemann C, Mikolajczyk R, Garbe E. Inanspruchnahme von stationärer und ambulanter ärztlicher Versorgung bei Kindern und Jugendlichen mit Aufmerksamkeitsdefizit/Hyperaktivitätsstörung (ADHS) in Deutschland. 57. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Medizinische Informatik, Biometrie und Epidemiologie (GMDS), 16.-21. September 2012, Braunschweig.
  • Lindemann C, Langner I, Heuer D, Mikolajczyk R, Garbe E. Erhöhtes Verletzungsrisiko von Kindern mit Aufmerksamkeitsdefizit-/ Hyperaktivitätsstörung: Eine gematchte Kohortenstudie. 57. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Medizinische Informatik, Biometrie und Epidemiologie (GMDS), 16.-21. September 2012, Braunschweig.
  • Mikolajczyk R, Horn J, Langner I, Lindemann C, Garbe E. Accidents prevention by methylphenidate among children with ADHS - Insights from case-crossover and self-controlled case series designs. 57. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Medizinische Informatik, Biometrie und Epidemiologie (GMDS), 16.-21. September 2012, Braunschweig.
  • Kraut A, Langner I, Mikolajczyk R, Lindemann C, Garbe E. Comorbidities in methylphenidate users compared to nonusers in Germany. "Biometrie, Epidemiologie und Informatik - Gemeinsam forschen für Gesundheit". 56. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Medizinische Informatik, Biometrie und Epidemiologie (GMDS) und 6. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Epidemiologie (DGEpi), 26-29 September 2011, Mainz.
  • Langner I, Jobski K, Mikolajczyk R, Kraut A, Garbe E. Methylphenidate and atomoxetine treatment of ADHD in children and youths in Germany. "Biometrie, Epidemiologie und Informatik - Gemeinsam forschen für Gesundheit". 56. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Medizinische Informatik, Biometrie und Epidemiologie (GMDS) und 6. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Epidemiologie (DGEpi), 26-29 September 2011, Mainz.
  • Langner I, Lindemann C, Kraut A, Mikolajczyk R, Garbe E. Incidence and prevalence of ADHD diagnoses in children and adolescents in Germany in 2005: A database study. Kongress "Individualisierte Prävention und Epidemiologie: Die moderne Medizin". Gemeinsame Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Epidemiologie (DGEpi), der Deutschen Gesellschaft für Sozialmedizin und Prävention (DGSMP) und der European Union of Medicine in Assurance and Social Security (EUMASS), 21.-25. September 2010, Berlin.
  • Lindemann C, Kraut A, Mikolajczyk R, Garbe E. Methylphenidate treatment in Germany - Are co-morbidities taken into account? 26th International Conference on Pharmacoepidemiology & Therapeutic Risk Management (ICPE), 19.-22. August 2010, Brighton, United Kingdom.
  • Poster bei wissenschaftlichen Tagungen

  • Lindemann C, Langner I, Kraut A, Mikolajczyk R, Garbe E. Regionale Unterschiede in der Häufigkeit der ADHS-Diagnosen in Deutschland. 4. Methodenworkshop der Arbeitsgruppe Erhebung und Nutzung von Sekundärdaten (AGENS) der Deutschen Gesellschaft für Sozialmedizin und Prävention (DGSMP) und der Deutschen Gesellschaft für Epidemiologie (DGEpi), 22.-23. März 2012, Bremen.
  • Garbe E, Mikolajczyk R, Kraut A, Langner I. Drug treatment of ADHD in children and youths in Germany. 27th International Conference on Pharmacoepidemiology & Therapeutic Risk Management (ICPE), 14-17 August 2011, Chicago, USA. (Abstract published in: Pharmacoepidemiology & Drug Safety. 2011;20(Suppl.1):132)