Einzelansicht

Kinderkrebsrisiko nach Exposition durch computertomographische Untersuchungen im Kindesalter (KICT)

Beschreibung

Im modernen Strahlenschutz werden insbesondere die möglichen Risiken der in vielen Ländern weiter zunehmenden medizinischen Strahlenexposition diskutiert. Allerdings liegen insbesondere zu den Verfahren mit vergleichsweise hohen individuellen Strahlenexpositionen (CT, Nuklearmedizin) kaum belastbare Risikodaten vor. Die Kohortenstudie untersucht, ob die Exposition mit ionisierender Strahlung durch computertomographische Untersuchungen im Kindesalter zu einer Erhöhung der Krebsinzidenzraten im Kindes – und Jugendalter führt.

Ergebnisse:
Von 31 kontaktierten Klinken konnten 16 Kliniken in die Hauptstudie eingebunden werden. Insgesamt konnten 82.971 Personen erfasst werden. Von diesen waren 44.609 einschlussfähig. D.h., sie wurden im Studienzeitraum (1.1.1980-31.10.2010) bis zum Erreichen des 15. Lebensjahrs mindestens einmal mit einem CTs untersucht, waren bis zu 2 Jahre nach dem ersten bekannten CT nicht an Krebs erkrankt und lebten zum Zeitpunkt der Untersuchung in Deutschland. 38.362 Patienten erfüllten mindestens eines dieser Kriterien nicht und wurden ausgeschlossen. Im Durchschnitt wurde jedes eingeschlossene Kohortenmitglied im Beobachtungszeitraum 1,6mal mit einem CT untersucht. Die am häufigsten untersuchte Körperregion war der Kopf, mit 65% aller CTs. Zur Berechnung der individuellen Strahlenexposition wurden publizierte Referenzwerte von Miglioretti et al. 2013 verwendet. Die durchschnittlichen geschätzten Strahlendosen der eingeschlossenen Kohortenmitglieder betrugen 11,7 mGy Knochenmarkdosis, 34,4 mGy Gehirndosis und 5,8 mGy Kolondosis.

Von den 44.609 eingeschlossenen Personen wurde bei 46 frühestens 2 Jahre nach dem ersten CT eine Krebserkrankung diagnostiziert (Fälle). Von den Fällen und einer zufälligen Auswahl von nicht erkrankten Personen wurden die Befundtexte sowie die medizinischen Informationen des Kinderkrebsregisters analysiert, falls diese vorlagen. Unter den Fällen mit verfügbaren Informationen fanden sich 19% (n=7), die zum Zeitpunkt des CTs bereits an einem Krebs erkrankt waren und weitere 22% (n=8), die ein erhöhtes Risiko hatten, an einem Krebs zu erkranken („Personen mit erhöhtem Risiko“). Die zum Zeitpunkt des CTs bereits an Krebs erkrankten Personen wurden von der Analyse ausgeschlossen. Unter den Nicht-Fällen fanden sich 3,8% (n=6), die ein erhöhtes Risiko hatten, an Krebs zu erkranken und keine Person, die bereits an einem Krebs erkrankt war.
Zur Bestimmung des Krebsrisikos nach Exposition mit ionisierender Strahlung durch CT-Untersuchungen wurde die Inzidenz der Kohorte mit der der gleichaltrigen Allgemeinbevölkerung verglichen (SIR-Analyse). Unter Verwendung von 2 Jahren Latenzzeit wurde eine SIR von 1,87 (95%KI: 1,33 - 2,55)) für alle Krebsarten beobachtet. Die SIR für Leukämien betrug nach 2 Jahren Latenzzeit 1,72 (95%KI: 0,89 - 3,01). Nach 5 Jahren Latenzzeit wurde nur ein ZNS-Tumor beobachtet, die SIR betrug 0.45 (95%KI: 0.01 - 2.50). Auf Grundlage von drei beobachteten Fälle nach 5 Jahren Latenzzeit wurde ein erhöhtes Risiko beobachtet, an einem andern soliden Tumor zu erkranken (SIR=1,42 (95%KI: 0,29 - 4,15)). Für Lymphome wurden nach 2 Jahren Latenzzeit ein erhöhtes Risiko beobachtet (SIR=3,26 (95%KI: 1,63 - 5,83). Die Ergebnisse der Subgruppen- und Sensitivitätsanalysen deuten jedoch darauf hin, dass dieses Ergebnis maßgeblich durch Confounding by Indication verzerrt ist. Wurden „Personen mit erhöhtem Risiko“ und Hodgkin-Lymphome von der Risikoanalyse ausgeschlossen, so war das Risiko an einem Lymphom zu erkranken wesentlich geringer (SIR=1,23 (95%KI: 0,34 - 3,15)).

Bei der Analyse möglicher Dosiswirkungsbeziehungen konnte nach 2 Jahren Latenzzeit kein positiver Zusammenhang zwischen dem Risiko an Krebs zu erkranken und der erhaltenen Kolondosis beobachtet werden. Nach fünf Jahren Latenzzeit konnte kein positiver Zusammenhang zwischen der erhaltenen Gehirndosis in mGy und dem Risiko an einem ZNS-Tumor zu erkranken gefunden werden. Für Leukämien wurde nach 2 Jahren Latenzzeit ein erhöhtes HR pro erhaltenen mGy Knochenmarksdosis beobachtet: HR=1,009 (95%KI: 0,981 - 1,037). Diese Ergebnisse sind konsistent mit den Ergebnissen der SIR-Analysen, jedoch geringer als die Risikoschätzer der bereits publizierten Kohortenstudien zum Krebsrisiko nach Exposition mit CTs.

Förderzeitraum

Beginn:   September 2010
Ende:   Dezember 2013

Förderer

  • Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF)

Kontaktperson

 Steffen Dreger

Kooperationspartner

  • Prof. Dr. Maria Bletter (IMBEI, Universität Mainz)

Link

KiCT - Website (IMBEI - Universität Mainz)