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Post-Authorization Sicherheitsstudie (PASS) zum Blutungsrisiko unter Behandlung mit Rivaroxaban

Beschreibung

Rivaroxaban (Xarelto®) ist ein direktes orales Antikoagulans (DOAK), das gegenüber den Vitamin-K-Antagonisten wie Phenprocoumon eine bessere Steuerbarkeit der Therapie verspricht. Es wurde 2008 zur Prophylaxe venöser Thromboembolien bei erwachsenen Patienten nach einer Hüft- oder Kniegelenkersatzoperation von der Europäischen Arzneimittelagentur (EMA) europaweit zugelassen. Im Dezember 2011 erfolgte die Zulassungserweiterung zur Prophylaxe von Schlaganfällen und systemischen Embolien bei erwachsenen Patienten mit nicht-valvulärem Vorhofflimmern und einem oder mehreren Risikofaktoren, sowie für die Behandlung von tiefen Venenthrombosen und Lungenembolien und die Prophylaxe von rezidivierenden tiefen Venenthrombosen und Lungenembolien bei Erwachsenen. Seit Mai 2013 ist Rivaroxaban auch zugelassen zur Prophylaxe atherothrombotischer Ereignisse nach einem akuten Koronarsyndrom mit erhöhten kardialen Biomarkern, zusätzlich eingenommen zu Acetylsalicylsäure allein oder zu Acetylsalicylsäure plus Clopidogrel oder Ticlopidin.

Aufgrund ihrer gerinnungshemmenden Eigenschaften sind sowohl Vitamin-K-Antagonisten als auch die DOAK mit einem erhöhten Blutungsrisiko assoziiert. Rivaroxaban beispielsweise zeigte in den Zulassungsstudien im Vergleich zum international gebräuchlichen Vitamin-K-Antagonisten Warfarin ein ähnlich häufiges Auftreten klinisch relevanter Blutungen mit signifikant weniger intrakraniellen und tödlichen Blutungen, gastrointestinale Blutungen waren hingegen häufiger.

Insbesondere die prophylaktischen Indikationen schließen ein Patientenkollektiv mit möglicherweise zahlreichen Begleiterkrankungen und Komedikationen ein. Außerdem erfordern sie eine Langzeittherapie, bei der eine Nutzen-Risiko-Abwägung besonders wichtig ist. Die EMA fordert daher im Rahmen eines Risiko-Management-Plans vom Rivaroxaban-Hersteller Bayer AG Sicherheitsstudien nach der Zulassung (Post-Authorization Safety Studies - PASS), die in verschiedenen europäischen Ländern bis 2021 durchgeführt werden. Ziel dieser Sicherheitsstudie ist die Untersuchung des Risikos schwerer unerwünschter Arzneimittelwirkungen unter Rivaroxaban-Behandlung in der Routineanwendung im Vergleich zu Phenprocoumon (dem in Deutschland gebräuchlichsten Vitamin-K-Antagonisten) bzw. in der Indikation akutes Koronarsyndrom zu einer entsprechenden Therapie mit Thrombozytenaggregationshemmern.

Basierend auf Daten der Pharmakoepidemiologischen Forschungsdatenbank (GePaRD) werden im Rahmen einer Kohortenstudie verschiedene Endpunkte untersucht und zwischen Neunutzern von Rivaroxaban und der entsprechenden Standardtherapie verglichen. Der primäre Sicherheitsendpunkt ist das Auftreten von Blutungsereignissen (intrakraniell, gastrointestinal und urogenital). Ein weiterer Sicherheitsendpunkt untersucht das Auftreten von nicht-infektiösen Lebererkrankungen. Für eine Nutzen-Risiko-Abschätzung, werden zusätzlich Endpunkte wie tiefen Venenthrombose, Lungenembolie, ischämische Schlaganfälle, Herzinfarkt und Tod analysiert, die mit der Wirksamkeit der Behandlung in Zusammenhang stehen. Ähnliche Studien, die Teil dieses PASS Programms sind, werden bis 2021 außerdem in Großbritannien, Schweden und den Niederlanden durchgeführt.

Förderzeitraum

Beginn:   November 2010
Ende:   Juni 2021

Förderer

  • Pharmazeutische Industrie

Kontaktperson

Dr. rer. medic. Tania Schink

Ausgewählte Veröffentlichungen zum Projekt

    Vorträge bei wissenschaftlichen Tagungen

  • Fassmer A, Jobski K, Haug U, Schink T. Rivaroxaban vs. phenprocoumon use in Germany and risk of bleeding: A claims data analysis based on 80,000 patients. Congress "Health - Exploring Complexity: An Interdisciplinary Systems Approach (HEC2016)." Joint Annual Meeting of the German Society for Medical Informatics, Biometry and Epidemiology (GMDS), the German Society for Epidemiology (DGEpi), the International Epidemiological Association - European Region (IEA-EEF) and the European Federation for Medical Informatics Association (EFMI), 28 August-2 September 2016, Munich. (Abstract published in: European Journal of Epidemiology. 2016;31(Suppl.1):S51)
  • Poster bei wissenschaftlichen Tagungen

  • Fassmer A, Jobski K, Haug U, Schink T. Rivaroxaban vs. phenprocoumon use in Germany and risk of bleeding: A claims data analysis based on 80,000 patients. 32nd International Conference on Pharmacoepidemiology & Therapeutic Risk Management (ICPE), 25-28 August 2016, Dublin, Ireland.