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Erfassung der medizinischen Strahlenexposition in der Nationalen Kohorte

Beschreibung

Die Strahlenexposition der Allgemeinbevölkerung wird wesentlich durch zwei Quellen bestimmt: die medizinische Exposition und die Exposition aus natürlichen Quellen. Das genaue Ausmaß der Exposition und der damit verbundenen Dosen ist jedoch aufgrund eines Mangels an bevölkerungs-bezogenen Daten nicht bekannt. Ionisierende Strahlung (IR) ist ein Karzinogen, zudem erhöht IR auch das Risiko für eine Reihe von Nichtkrebs-Erkrankungen. Eine Ermittlung der Strahlenexposition bei Kohortenteilnehmenden ist daher einerseits zur Quantifizierung von IR-assoziierten Risiken insbesondere bezüglich der medizinisch-diagnostischen Expositionen, andererseits als Confounder für andere zu untersuchende Risikobeziehungen relevant. Zudem ist bisher in keiner der laufenden großen bevölkerungsbezogenen Kohorten (UK Biobank und andere) die Strahlenexposition der Teilnehmenden erfasst worden. Seitens der Strahlenschutzkommission des Bundes wird eine Einbeziehung der Strahlenexposition in die Nationale Kohorte ausdrücklich unterstützt. Ferner besteht weiterer Forschungsbedarf hinsichtlich der Erfassung der medizinischen Strahlenexposition durch CT und andere mit substantiellen Dosen einhergehende Untersuchungen liegt.

Die Machbarkeit der Erhebung der medizinischen Strahlenexposition anhand eines Fragebogens wurde zwischen November 2010 und Oktober 2012 in einer Machbarkeitsstudie der NAKO bei 200 Teilnehmenden untersucht (Dreger et al. 2015). Dabei zeigte sich, dass eine retrospektive Erfassung von diagnostisch-medizinischen Expositionen über einen zurückliegenden Zeitraum von wenigen Jahren – insbesondere mit Fokus auf CT-Untersuchungen – per Fragebogen grundsätzlich machbar ist. Ein Abgleich mit Sekundärdaten von Krankenkassen wurde geprüft und könnte insbesondere für die prospektive Erhebung der diagnostischen Expositionen von Vorteil sein. Auffällig war, dass fast jede 2. Person schon eine CT-Untersuchung – mit vergleichsweise hohen Dosen – angab.

In der jetzigen Studie sollen Studienteilnehmende einen in der Machbarkeitsstudie bereits genutzten, allerdings nun deutlich verkürzten Fragebogen zur medizinischen Exposition in der Vergangenheit ausfüllen, mit speziellem Fokus auf CT- und andere Untersuchungen mit relativ hohen Strahlendosen. Ergänzt wird dieser durch Fragen zur Indikation der berichteten Untersuchungen (Frakturen, Autounfall, o.ä.). Die Erhebung soll eigenständig via Touchscreen erfolgen. Zu zwei Zeitpunkten innerhalb des Projektzeitraums sollen Kurzfragebögen bzw. Internetfragebögen eingesetzt werden, um prospektiv neue Expositionen mit ionisierender Strahlung zu erfassen. Dabei sollen auch Röntgenpässe eingesetzt werden, in denen bestimmte Parameter, die für die Einschätzung der Strahlenexposition wichtig sind, z.B. Dosisflächenprodukt, von den radiologischen Praxen eingetragen werden. Therapeutische Expositionen stehen nicht im Mittelpunkt und werden nur mit wenigen Fragen angesprochen.

Es wird eine Erhebung bei 3.000 Personen in vier Studienzentren geplant: Bremen, Essen, Neubrandenburg/ Neustrelitz und Augsburg (je ca. 750 Personen, konsekutiv).

Förderzeitraum

Beginn:   Mai 2017
Ende:   September 2019

Förderer

  • Bundesamt für Strahlenschutz (BfS)

Kontaktperson

 Steffen Dreger

Kooperationspartner

  • Prof. Dr. Jöckel Karl-Heinz (Institut für Medizinische Informatik, Biometrie und Epidemiologie (IMIBE), Universität Essen-Duisburg)
  • Dipl.-Phys. Jürgen Kopp (Stabstelle Med. Physik/Strahlenschutz, Klinikum Augsburg)
  • Prof. Dr. Jakob Linseisen (Abteilung Epidemiologie II, Helmholtz-Zentrum München)
  • Prof. Dr. Christine Meisinger (Abteilung Epidemiologie II, Helmholtz-Zentrum München)
  • Dr. Börge Schmidt (Institut für Medizinische Informatik, Biometrie und Epidemiologie (IMIBE), Universität Essen-Duisburg)
  • Prof. Dr. Henry Völzke (Institut für Community Medicine, Universitätsmedizin Greifswald)