Bewegung und Pflegebedürftigkeit - kann KI alte Menschen trainieren?
Warum niemand über Training in der Altenpflege spricht – bis jetzt.
Thomas erklärt, dass seine Promotion zeigt, wie selbst hochaltrige, multimorbide Bewohner:innen in stationären Pflegeeinrichtungen von strukturierten Trainingsprogrammen profitieren. Zwar entstehen keine großen Leistungssprünge, doch Motorik, Kognition und psychosoziales Wohlbefinden bleiben stabil, während Menschen ohne Training im gleichen Zeitraum deutlich abbauen.
Im Projekt KI-aktiv untersucht Thomas nun, wie ein Chatbot als digitaler Trainingsassistent eingesetzt werden kann. Die KI soll Pflege- und Betreuungskräfte bei der Planung und Anpassung von Übungen unterstützen – nicht als Ersatz für menschliche Kompetenz, sondern als Assistenzsystem, das Vorschläge macht, die anschließend fachlich geprüft werden.
Gleichzeitig wird deutlich, wo heutige Systeme noch an ihre Grenzen stoßen. Besonders problematisch ist das fehlende Erinnerungsvermögen über längere Zeiträume hinweg. Ein individuelles Training lebt davon, dass frühere Belastungen, Fortschritte oder Rückschritte präsent bleiben – genau hier zeigt sich aktuell die größte Schwäche.
Überraschend offen reagieren Pflegekräfte auf diese neue Technologie. Obwohl viele bislang kaum mit Tablets oder Chatbots gearbeitet haben, berichten sie in Interviews von Neugier und Interesse. Sie sehen die KI weniger als zusätzliche Belastung, sondern als Chance, ihr eigenes Handeln trainingswissenschaftlich zu verbessern.
Am Ende zeichnet Thomas eine Vision, in der Pflegekräfte per KI in Sekunden Übungsvideos abrufen, Alternativen für gestürzte oder mobilitätseingeschränkte Bewohner:innen erhalten und perspektivisch sogar direktes audiovisuelles Feedback zur Übungsausführung bekommen. Prävention wird so skalierbar – und Bewegung rückt endlich dorthin, wo sie hingehört: in den Alltag der Altenpflege.
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