Keime mögen Salat in Tüten
Freie Bahn für Krankheitserreger
Durch das Zerkleinern der Salatblätter tritt aus den Schnittflächen Pflanzensaft aus, der Zucker, Mineralstoffe und Eiweiße enthält. In Kombination mit der Feuchtigkeit in den Plastikbeuteln entsteht ein guter Nährboden für Bakterien, so die Erklärung von Wissenschaftlern der Universität in Leicester. Diese haben 2016 in Laboruntersuchungen herausgefunden, dass sich die Keimzahl an geschnittenen Salatblättern innerhalb weniger Tage im Vergleich zu nicht zerkleinertem Salat um das bis zu 2.400-fache erhöht.
Dabei kommt es auch auf die Zutaten an. Untersuchungen vom Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) 2008 zeigten, dass sich bestimmte Keime besonders schnell vermehrten, wenn in den Mischsalaten Weißkohl enthalten war. Die Forscher der Universität Leicester stellten fest, dass Salmonellen vermehrt wuchsen, wenn der Salat Spinatblätter enthielt und dass E. coli-Bakterien Rucola besonders mochten. Auch wenn die Salatmischungen unter Schutzatmosphäre verpackt waren und eine Kühlkette von unter 6 °C eingehalten wurde, waren sie stark keimbelastet. Besonders problematisch: Selbst durch Waschen ließen sich die Bakterien nicht ausreichend entfernen.
Sind abgepackte Salate nun tabu?
Das BFR rät: Menschen mit einem geschwächten Immunsystem und Kinder unter 5 Jahren sollten keine vorgeschnittenen Salate aus der Tüte verzehren.
Gesunde Erwachsene können ab und zu Tütensalat essen, sollten aber einige
Hygiene-Regeln beachten:
- Achten Sie beim Kauf von vorgeschnittenem Salat auf das Verbrauchsdatum. Es sollte noch einige Tage in der Zukunft liegen.
- Kaufen Sie nur Ware aus dem Kühlregal und achten Sie auf unbeschädigte Verpackungen. Verzichten sie, wenn bereits matschige oder bräunliche Blätter zu sehen sind.
- Lagern Sie die Produkte im Kühlschrank bei höchstens 6 °C.
- Verzehren Sie den Salat am besten am Tag des Einkaufs und werfen Sie angebrochene Tüten weg.
- Riecht der Salat nach dem Öffnen der Verpackung hefig oder gärig, lassen Sie die Finger davon.
- Waschen sie den Salat vor dem Verzehr, auch wenn er als verzehrfertig angeboten wird. So spülen Sie zumindest einen kleinen Teil der Keime ab.
- Machen Sie den Salat mit einer Essig-Öl-Marinade an, die Essigsäure reduziert Krankheitserreger.
Unser Tipp: Kaufen Sie Salat am besten im Ganzen und schneiden Sie ihn selbst. Sie umgehen damit eine unnötige Keimbelastung. Ihre Kinder können problemlos mitessen und preiswerter und vitaminreicher ist es auch.
Kontakt:
Wiebke von Atens-Kahlenberg, atens(at)leibniz-bips.de
Brigitte Bücking, buecking(at)leibniz-bips.de
Larissa Bachmann, bachmannl@leibniz-bips.de
Text- und Bildquellen (aktualisiert 10/2023):
- Ärztezeitung. (2016) Salmonellen lieben Salat in Tüten. https://www.aerztezeitung.de/medizin/krankheiten/infektionskrankheiten/magen-darminfekte/article/924292/keime-salmonellen-lieben-salat-tueten.html (Zugriff am 09.10.2023)
- Bundeszentrum für Ernährung. (2020) Fresh Cut. https://www.bzfe.de/inhalt/fresh-cut-1596.html (Zugriff am 09.10.2023)
- University of Leicester. (2016) Juices from damaged salad leaves massively stimulate Salmonella growth and salad leaf colonization. https://le.ac.uk/news/2016/november/university-researchers-show-juices-from-damaged-salad-leaves-massively-stimulate-salmonella-growth-and-salad-leaf-colonisation (Zugriff am 09.10.2023)
- Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen. (2023) Keimgefahr: Vorgeschnittene Salate immer kühlen. https://www.verbraucherzentrale.nrw/wissen/lebensmittel/auswaehlen-zubereiten-aufbewahren/keimgefahr-vorgeschnittene-salate-immer-kuehlen-38808 (Zugriff am 09.10.2023)
- Bilder: ©fotolia.com: whiteaster; Klaus Eppele
Dieser Artikel wurde ursprünglich für unseren Kita-Ernährungsnewsletter erstellt und hat sich bewährt – deshalb findet er sich nun auch online für alle zugänglich.
