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Können Technik und KI älteren Menschen den Alltag erleichtern?

In der aktuellen Folge des Digital Public Health Podcast spricht Host Rasmus Cloes mit Dr. Serge Autexier, dem Leiter des Bremen Ambient Assisted Living Lab (BAALL) am Deutschen Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz (DFKI) in Bremen. In einer nachgebauten Wohnung erforscht das Team, wie Künstliche Intelligenz im Gesundheitswesen und Assistenzsysteme Menschen im Alltag unterstützen können.

Können Technik und KI älteren Menschen den Alltag erleichtern?


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Miniaturansicht mit Serge Autexier und dem Titel des Podcasts.

Serge erklärt, warum das Living Lab nicht „Smart-Home-Spielzeug“ zeigt, sondern Alltagstauglichkeit prüft: Welche Technik hilft wirklich? Was ist intuitiv bedienbar? Und was braucht es, damit eine Umgebung „intelligent“ wird – ohne dass sie Menschen überfordert oder ihnen Entscheidungen abnimmt, die sie selbst treffen wollen?

Ein zentrales Thema ist die Lücke zwischen Forschung und Produkt. Im BAALL entstehen Demonstratoren, die Besuchende oft sofort überzeugen – inklusive der typischen Frage: „Warum gibt es das nicht zu kaufen?“ Serge beschreibt, warum Projektlogiken, Zuständigkeiten und Marktreife oft verhindern, dass gute Ideen direkt als Produkt landen – auch wenn Teilideen später an anderer Stelle wieder auftauchen.

Konkretes Beispiel: Sturzprävention mit einem „smarten Rollator“. Aus der Praxis kam der Hinweis, dass falsch genutzte Rollatoren mit höherem Sturzrisiko zusammenhängen. In einem Projekt wurden Bewegungsdaten aufgenommen, durch Physiotherapeut:innen bewertet und genutzt, um eine KI zu trainieren, die Fehlbedienung erkennt und Hinweise geben kann. Das zeigt, wie nah KI im Gesundheitswesen an echter Prävention sein kann – und wie schnell man dann bei Fragen nach Medizinproduktanforderungen, Evidenz und Finanzierung ankommt.
Auch geht es um Datenintegration: Wie kann man Krankenhausdaten und Alltagsdaten zusammenbringen, um Prognosen zu verbessern – etwa zur Steigerung der Lebensqualität bei Menschen nach einer Krebstherapie? Serge macht deutlich, warum das in der Praxis so schwer ist: Daten sind oft nicht verfügbar, Fragen im Kontext von Ethik und IT-Sicherheit kosten Zeit, und am Ende bleibt in vielen Projekten zu wenig Raum für saubere Evaluation.

Zum Schluss ordnet Serge den KI-Hype ein: Große Sprachmodelle sind im BAALL nicht „einfach Teil der Lösung“ – Datenschutz, lokale Verarbeitung und Zuverlässigkeit sind gerade bei vulnerablen Gruppen entscheidend. Der Fokus liegt deshalb auf robusten, sicheren Systemen, die auf kleinen Geräten laufen können, nicht „mithören“ müssen und im Alltag nicht plötzlich ausfallen. Und er erklärt, warum viele Assistenzideen nicht an der Technik scheitern, sondern an Umsetzungspfaden: Wer baut es? Wer haftet? Wer bezahlt? Und wer weist den Nutzen nach?

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Weiterführende Literatur
Christian Mandel, Jan Janssen, Maria Angelica Lopez-Ardila, and Serge Autexier. Smart Wheelchair with Semi- and Fully Autonomous Navigation, Journal on Technology and Persons with Disabilities Journal track of the 41st CSUN Assistive Technology Conference (ATC-2026), March, accepted, forthcoming, 2026

Serge Autexier. On Using Large Language Models Pre-trained on Digital Twins as Oracles to Foster the Use of Formal Methods in Practice, In Tiziana Margaria and Bernhard Steffen (Ed) 12th International Symposium Leveraging Applications of Formal Methods, Verification and Validation. Software Engineering Methodologies (ISOLA 2024),Crete, Greece, October 27–31, 2024, Part IV, Vol. 15222, LNCS, Springer Cham, October, 2024 link.springer.com/chapter/10.1007/978-3-031-75387-9_3

Serge Autexier, Christoph Lüth, and Rolf Drechsler. In M. A. Pfannstiel(Ed) Künstliche Intelligenz im Gesundheitswesen, Chapter Das Bremen Ambient Assisted Living Lab und darüber hinaus – Intelligente Umgebungen, smarte Services und Künstliche Intelligenz in der Medizin für den Menschen, Springer Fachmedien Verlag Wiesbaden, March, 2022 link.springer.com/chapter/10.1007/978-3-658-33597-7_40