Internationaler Preis zeichnet australisch-deutsche Zusammenarbeit für ein rauchfreies Zuhause aus
Viele Frauen, die zuvor geraucht haben, hören damit auf, wenn sie erfahren, dass sie schwanger sind. Allerdings nehmen auch die Partner eine wichtige Rolle ein. Denn ihr Rauchverhalten kann dazu führen, dass die Schwangeren und Neugeborenen durch Passivrauch belastet werden. Außerdem beeinflusst das Verhalten des Partners das Rückfallrisiko der Mütter am Ende der Stillzeit und somit die Chance auf ein rauchfreies Aufwachsen der Kinder.
Die australisch-deutsche SISTAQUIT-Kollaboration erhielt jetzt den 2026 SIRC Mission Award der Society for Implementation Research Collaboration. Bekannt gegeben wurde die Auszeichnung am 26. September auf der SIRC-Konferenz 2026 in Minneapolis. Der Preis würdigt Teams, die Implementierungsforschung und praktische Anwendung durch vertrauensvolle Partnerschaften und auf die Bedürfnisse von Gemeinschaften abgestimmte Ansätze verbinden.
Australische Intervention für Bremen angepasst
Gemeinsam mit dem Team von Prof. Gillian Gould an der Southern Cross University in Australien passte das Leibniz-Institut für Präventionsforschung und Epidemiologie - BIPS SISTAQUIT für Deutschland an. Die Intervention zur Unterstützung beim Rauchstopp während der Schwangerschaft wurde ursprünglich gemeinsam mit Aboriginal- und Torres-Strait-Islander-Gemeinschaften in Australien entwickelt. Nach Angaben des Projektteams war die Anpassung für Deutschland die erste internationale Übertragung der Intervention.
In Bremen erprobte das Team das Angebot über das Programm Pro Kind und an zwei Hebammenzentren. Die Beteiligten berichten von ermutigenden Ergebnissen der Machbarkeitsstudie. Eine Teilnehmerin berichtete: "Mein Partner raucht jetzt keine Zigaretten mehr. Seit meiner Teilnahme probiert er jetzt nikotinfreies Vapen. Er ist sicher, dass er es bald schafft, gar nicht mehr zu rauchen."
„Wir waren von den Vorarbeiten und Materialien des SISTAQUIT-Teams sehr beeindruckt. Solche internationalen Kooperationen sind unheimlich wichtig, um die besten Präventionsansätze in unser Gesundheitssystem zu bringen“, sagt PD Dr. Tilman Brand, Fachgruppenleiter Sozialepidemiologie am BIPS.
„Die Zusammenarbeit zeigt, welchen Beitrag internationale Kooperationen zur Implementierungsforschung leisten können. Sie ermöglichen es, Erfahrungen aus unterschiedlichen Ländern zusammenzuführen und zu untersuchen, unter welchen Bedingungen ein Ansatz auch in einem anderen Gesundheitssystem und Lebensumfeld eingesetzt werden kann“, ergänzt Bibiana Barrera, wissenschaftliche Mitarbeiterin am BIPS. Dabei geht es nicht darum, ein Angebot unverändert zu übertragen. „Entscheidend ist vielmehr, welche Bestandteile sich bewähren könnten, was an lokale Versorgungsstrukturen, soziale Bedingungen und den Alltag der Menschen angepasst werden muss und wie diejenigen einbezogen werden, die das Angebot später nutzen oder umsetzen“, so Barrera.
Ein solcher internationaler Austausch eröffnet die Möglichkeit, voneinander zu lernen: Ein Ansatz, der in einem Land entwickelt wurde, kann in einem anderen neue Fragen aufwerfen und dort weiterentwickelt werden. „Die Anpassung muss anschließend im neuen Umfeld erprobt werden. Erst dann lässt sich beurteilen, ob das Angebot vor Ort praktikabel und anschlussfähig ist“, erläutert Brand. So kann internationale Zusammenarbeit dazu beitragen, Forschungserkenntnisse über Ländergrenzen hinweg nutzbar zu machen, ohne die Unterschiede zwischen den jeweiligen Kontexten zu übergehen.
Bei SISTAQUIT bedeutete das, eine Intervention, die ursprünglich gemeinsam mit Aboriginal- und Torres-Strait-Islander-Gemeinschaften in Australien entwickelt wurde, für die Bedingungen in Bremen anzupassen und dort mit Partnern aus der Praxis zu erproben. Dieser Ansatz wurde jetzt international ausgezeichnet.
