ARCAGE

ARCAGE

Studie zu Tumoren der oberen Luft- und Speisewege

Rauchen und Alkoholkonsum sind bekannte Risikofaktoren für die Entstehung von Krebserkrankungen der oberen Luft- und Speisewege. Der genaue Krebs
erzeugende Mechanismus ist noch nicht vollständig geklärt. Es ist denkbar, dass bestimmte genetische Veranlagungen in Kombination mit Rauchen
und Alkoholkonsum verstärkt zu einer Krebserkrankung führen können. Die ARCAGE Studie wurde durchgeführt, um das Verständnis der Krebsentstehung
bei diesen Tumoren zu verbessern.

Die Studie wird von der Internationalen Agentur für Krebsforschung (IARC), einer Einrichtung der Welt Gesundheits-Organisation (WHO), koordiniert. Bremen ist eines der beteiligten Studienzentren.

Hintergrund

Jedes Jahr erkranken in den 15 Staaten der EU ca. 80.000 Menschen an Tumoren der oberen Luft- und Speisewege. Ca. 40.000 sterben daran.

Die Tumoren der oberen Luft- und Speisewege umfassen Krebserkrankungen der Mundhöhle, des Schlundes (Pharynx), des Kehlkopfs und der Speiseröhre. Zusammengenommen stellen diese Tumoren die vierthäufigste Krebserkrankung in der EU dar.

Rauchen, Alkohol und schlechte Mundhygiene, die am besten vermeidbaren Krebsursachen, sowie vermutlich Infektionen mit Papillomaviren sind mit einem hohen Risiko für diese Krebsarten verbunden.

Hintergrund der Studie

Um ursächliche Faktoren für diese Tumoren näher zu untersuchen, wurden im Rahmen eines EU-Projektes für eine Krankenhaus basierte Fall-Kontrollstudie zwischen 2003 und 2005 insgesamt 292 Fälle und 328 Kontrollpersonen in den Bremer Kliniken interviewt (Zur Durchführung einer Fall-Kontrollstudie s. Schaubild 1). 287 Fälle wurden in die Analyse eingeschlossen. Den Fällen wurden  nach Alter und Geschlecht vergleichbare Kontrollpersonen zugeordnet. 575 Probanden wurden Blutproben entnommen und von 221 an Krebs erkrankten Patienten Tumorgewebeblöcke gesammelt.

Kooperationen

Die Studie wurde von der Internationalen Agentur für Krebsforschung (IARC), einer Einrichtung der Welt Gesundheits-Organisation (WHO), koordiniert.

An der Studie sind die Länder Deutschland, Frankreich, Norwegen, Großbritannien, Irland, Spanien, Italien, Griechenland, Tschechien und Estland beteiligt. Mit Ausnahme Estlands, welches keine eigenen Krebsfälle rekrutiert hat, sind somit Patienten aus insgesamt neun europäischen Ländern vertreten. Für die Durchführung des deutschen Studienteils sind die Universität Bremen und das BIPS verantwortlich (s. Schaubild 2).

Die Fall-Kontrollstudie

In der Fall-Kontrollstudie wurden alle neu an Tumoren der oberen Luft- und Speisewege erkrankten Personen aus Bremen mit einer Gruppe von zufällig ausgewählten Patienten aus dem Krankenhaus ohne eine Krebserkrankung verglichen (s. Schaubild 3).

Im  Interview wurden u. a. die Rauchgewohnheiten, Alkoholkonsum, frühere berufliche Tätigkeiten, Ernährungsgewohnheiten, Vorerkrankungen sowie Maßnahmen zur Mundhygiene erfragt. In Ergänzung zu den Angaben zur Mundhygiene wurden in Bremen auch Untersuchungen des Zahnstatus durchgeführt.

Mit den Blut- und Gewebeproben wurden genetische Untersuchungen durchgeführt, um Faktoren, die Personen für die untersuchten Krebserkrankungen besonders empfänglich machen, zu identifizieren. 

Ergebnisse

Die Verteilung der in Bremen einbezogenen Krebsarten unter den 287 Fällen ist in  Schaubild 4 dargestellt.

Allgemeine Charakteristika der Bremer Teilnehmer sind in  Tabelle 1 aufgeführt.

Die Verteilung der Angaben zu den Rauch- und Alkoholkonsumgewohnheiten finden sich in  Schaubild 5  und  Schaubild 6 .

Weitere Ergebnisse der Studie sind in Tabelle 2, Tabelle 3 und Tabelle 4 dargestellt.

Schlussfolgerungen

  • Hauptrisikofaktoren sind Alkoholkonsum und Rauchen.
  • Ein schlechter Zahnstatus und mangelnde Mundhygiene deuten ebenfalls auf ein erhöhtes Krankheitsrisiko hin.
  • Weitere Aufschlüsse wird es im Rahmen der gepoolten Analyse (unter Einschluss aller Studienzentren) geben.
  • Dort werden auch genetische Polymorphismen untersucht, die mit der Entstehung von Krebs zusammenhängen, um Personen mit extrem erhöhtem Erkrankungsrisiko zu identifizieren.

Weitere Informationen

Internationale Ergebnisse, u. a. zu genetischen Einflüssen sind mittlerweile publiziert worden:

  • Canova, C; et al. (2008) Genetic associations of 115 polymorphisms with cancers of the upper aerodigestive tract across 10 European countries- the ARCAGE project. Cancer Res, 69 (7):2956 - 2965.